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Beim Start einer russischen Sojus-Trägerrakete mit zwei Astronauten an Bord hat es am 11.10.18 technische Probleme gegeben. Die Sojus-Kapsel musste in Kasachstan notlanden. Die NASA meldete, der Besatzung gehe es gut. Der russische Kosmonaut Alexej Owtschinin und der US-amerikanische Astronaut Nick Hague (KG5TMV) sollten mit der Sojus vom Weltraumbahnhof Baikonur aus zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Sie sollten das Team um den Deutschen Alexander Gerst verstärken, der Anfang Oktober das Kommando auf dem Außenposten der Erde übernommen hatte. Warum es zu Schwierigkeiten kam, ist noch nicht klar. Die NASA spricht von Problemen mit dem Booster, einer Zusatzrakete für den Start. Aus russischen Raumfahrtquellen hieß es, die zweite Stufe der Sojus-Trägerrakete habe versagt.
Zuletzt war die ISS in die Schlagzeilen geraten, weil in einer der angedockten Sojus-Kapseln ein Leck entdeckt wurde. Das Loch wurde abgedichtet, die Ursache dafür ist bis heute unklar. Die USA hatten ihr Space-Shuttle-Programm 2011 eingestellt. US-Astronauten konnten seither nur noch mit russischen Sojus-Raketen zur ISS gelangen. Der Vertrag mit Russland läuft im November 2019 aus, dann sollen SpaceX und Boeing den Transport übernehmen.

Nachtrag:
Als Auslöser des Unfalls vermutete Ex-Kosmonaut Krikaljow einen der vier Schubtanks (Booster), die an der untersten Raketenstufe angebracht sind und nach dem Leerbrennen abgesprengt werden. Der Booster sei mit der zweituntersten Stufe zusammengestoßen, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Medienberichten zufolge ereignete sich der Unfall in einer Höhe von 47 Kilometern. Ein nächster bemannter Start könnte Ende November erfolgen, meldete Interfax. Damit könnte die nächste Mannschaft einen Monat früher als geplant zur ISS starten. Als Ersatzcrew sind NASA-Angaben zufolge der Russe Oleg Kononenko, der Kanadier David Saint-Jacques und die Amerikanerin Anne McClain vorgesehen.
t-online.de

Gerettete Sojus-Besatzung nach Notlandung:
https://www.youtube.com/watch?v=3LDd1ZMLHAU

Ergänzung:
Im Moment ist nur eine Dreier-Crew an Bord, angeführt vom deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst. Die Besatzung dürfte allein mit der Aufrechterhaltung des Betriebs alle Hände voll zu tun haben. Ein kurzfristiger Start für eine neue Crew dürfte mehr als unwahrscheinlich sein - und im Dezember sollen Gerst und seine beiden Mit-Raumfahrer zur Erde zurückkehren. Womöglich lässt sich der Termin ein Stück weit verschieben - aber die Rückkehrkapseln haben sozusagen ein Mindesthaltbarkeitsdatum, an das man sich halten muss.
Leser-Komm.:
"Unter dem Strich ist es eher ein Riesenerfolg für die Russen. Zwei Astronauten aus einer startenden Rakete sicher zur Erde zurückzubringen, ist eine Meisterleistung."
"Alle Notfallsysteme haben offensichtlich funktioniert. Was will man mehr. Challenger und Columbia endeten leider nicht so glücklich."
Spiegel Online

 update:

Ausgelegt sind die Sojus-Kapseln für eine maximale Aufenthaltsdauer im All von 200 Tagen. Demnach müsste die Crew um Gerst spätestens Ende Dezember die Rückreise antreten. Sollte bis dahin das bemannte Sojus-Programm nicht wieder aufgenommen sein, könnte das bedeuten, dass die ISS ab kommenden Jahr unbesetzt ist - das erste Mal seit dem Jahr 2000. Zwar könne der Betrieb der ISS auch vom Boden aus gesteuert werden, laut der NASA gibt es aber kein offizielles Protokoll, wie lange die ISS unbesetzt sein kann. Dazu kommt, dass bis zur geplanten Rückkehr der derzeitigen ISS-Besatzung keine Raketenstarts in Richtung Raumstation geplant sind beziehungsweise sich in Vorbereitung befinden.
 
Auch eine alternative Transportmöglichkeit ist derzeit nicht in Sicht. SpaceX kündigte erst vor einigen Tagen an, dass im Juni 2019 erstmals mit der "Crew Dragon"-Kapsel Raumfahrer zur ISS gebracht werden sollen. Ob der Termin halten wird, ist zu bezweifeln. Bereits in der Vergangenheit wurden derartige Termine mehrfach verschobenn. Auch wenn der Roskosmos-Chef auf Twitter bereits angekündigt hat, dass die beiden Raumfahrer, die das Unglück überlebt haben, im Frühjahr erneut zur ISS fliegen sollen, befindet sich die russische Raumfahrt in einer tiefen Krise. Der russische Präsident Wladimir Putin hat von 2014 bis heute drei Generaldirektoren der Weltraumorganisation Roskosmos ausgetauscht, um die Situation in den Griff zu bekommen. Aber die Probleme scheinen sich zu verschlimmern.
futurezone.at
PS: auch der ehemalige ESA-Astronaut Walter sieht Probleme bei der nachrückenden russischen Techniker-Generation.