Manfred May - ein Leben für den Amateurfunk ------------------------------------------- Manfred wurde 1940 in Koblenz am Rhein geboren und wuchs in der Eifel ohne Vater auf (im Krieg gefallen). Schon in der Schule gründete er eine Amateurfunk-Interessengruppe. Nach der Schulausbildung mit Mittlerer Reife begann er in Köln eine Lehre im Radio- und Fernsehtechniker-Handwerk bis hin zur Gesellenprüfung und nahm an einem Schulungskurs des DARC teil. Parallel holte er die Fachschulreife nach und bereitete sich dann als Autodidakt erfolgreich auf die Meisterprüfung vor. Mit 27 Jahren erreichte er schließlich die Primareife am Städtischen Abendgymnasium Köln und heiratete im gleichen Jahr. Seit 1962 arbeitete Manfred als Video-Messtechniker beim WDR-Fernsehen, und dabei erfuhr er von den ATV-Aktivitäten in den USA. Sein Antrag auf eine Sondergenehmigung für Amateurfunkfernsehen wurde von der OPD Köln mit Hinweis auf die kommende C-Lizenz abgelehnt (24 Kandidaten warteten allein in Köln darauf). Inzwischen errichtete er mit Arbeitskollegen im Gymnasium Köln-Nippes die Amateurfunk-Klubstation DL0AK, deren Lizenzträger Ernst Schönmann, DJ0RR (ex-4X4BA) wurde. Hier gab es auch mit Hilfe von DJ4EI erste Gehversuche mit Funkfernschreiben (RTTY). 1967 konnte Manfred sich endlich eines der ersten C-Lizenz-Rufzeichen (DC6EU) erarbeiten. Der spätere OSCAR-Vater Karl Meinzer, DJ4ZC, baute für DL0AK einen 5 Watt-AM-ATV-Sender für 70 cm (Restseitenband und Tonträger nach CCIR-Norm, noch heute betriebsbereit). Schon vorher am 12.5.66 bekam Uwe Kraus, DJ8DW, die erste Sondergenehmigung für ATV im Bereich der OPD Düsseldorf, und seine Testsendungen aus Solingen wurden in Köln begeistert empfangen. Ab 1968 durfte auch DL0AK in ATV senden, und über 100 Empfangsamateure wurden mit für 70 cm vorabgeglichenen Schwaiger-UHF-Empfangskonvertern versorgt. Mit einem Siemens T100-Fernschreiber nahm DL0AK an RTTY- Kontesten teil. Im WDR war Manfred Mitbegründer der Amateurfunk- Klubstation DK0WR auf dem Dach des Kölner Funkhauses, gleichzeitig Fernempfangsstelle für die Nachrichtenredaktionen. 1969 beriet Manfred OM Roland Hoffmann, DC9DR (aus Königswinter), bei der Gründung der AGAF und nahm mit seiner Frau und DJ8DW zusammen als einzige Deutsche am 1. internationalen ATV-Treffen in Armentieres (Frankreich) teil. Dort trafen sich mehr als 100 aktive Fernsehamateure aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Schweden und der Schweiz - die Information dazu kam im DL-QTC (Vorläufer der CQ-DL) leider zu spät... Von DL0AK aus wurden 2-stündige AFU-Schulungskurse in ATV auf 70 cm live übertragen, die maximale Reichweite betrug 80 km (Koblenz), und es gab testweise zusammen mit Rolf, DF9KH, den ersten in ATV gesendeten DARC- Distriktsrundspruch! Dies alles wurde nach Beschwerden aus süddeutschen Amateurfunkkreisen von der OPD verboten! Bei einem beruflichen Auslandseinsatz ging Manfred im Rahmen der technischen Hilfe der BRD als Video-Experte nach Karthoum im Sudan an eine Fernsehstation, durfte dort aber keine Amateurfunkstation aufbauen. 1970 als Fachlehrer im Fernsehtrainingszentrum Jakarta (Indonesien) hatte er mehr Glück und wurde als YB0AAO lizenziert. Innerhalb von eineinhalb Jahren arbeitete er so 205 Länder in Sprechfunk oder RTTY und brachte FG7XT nach 15 Jahren Betrieb das erste DX-CC-Diplom für RTTY überhaupt ein. 1971 nahm Manfred wieder mit XYL und DJ8DW am 3. internationalen ATV-Treffen in Genf teil neben Besuchern aus G, PA0, ON, F und HB9. Bei DL0AK kamen regelmäßig ATV-Interessenten aus dem Großraum Köln zusammen, und Conny, DJ4ZZ, half etwa 20 OM beim Aufbau ihrer ATV-Sender. Mit Willy, DJ2TK, der mehr als 20 70cm-ATV-Endstufen mit 2C39-Röhren für die Gruppe baute, demonstrierte Conny ATV- Zweiwegverbindungen. Gleichzeitig startete er erste Slow-Scan-TV- Aktivitäten im Kölner Raum und beschaffte dafür Bausätze und nachleuchtende Radar-Bildröhren. 1973 organisierte Manfred mit der DL0AK-Gruppe zusammen das 4. internationale ATV-Treffen (CAT73) in den Räumen der Kölner Schule mit über 150 Besuchern. Dabei wurden von DK0WR aus mit dem volltransistorisierten Eigenbau-Sender von Hajo Klein, DL2AD, normgerechte PAL-Farbtestbilder abgestrahlt. Den farbtüchtigen Sender hatte er unter der Betreuung von Uwe Kraus, DJ8DW, als Diplomarbeit in der RWTH Aachen gebaut. DJ4ZZ zeigte SSTV-Empfang auf einem nachleuchtenden P7-Großbildmonitor, und DL3NO von der DAFG führte SSTV-Bausätze von DJ6HP vor. DC6FM von der Sternwarte Bochum berichtete über Wettersatelliten-Empfang mit Foto-FAX-Geräten. Ein Vorschlag der belgischen "Amateur Television Asssociation" (ATA) zur Gründung einer europäischen ATV-Gruppe mit gemeinsamer Zeitschrift (in englischer Sprache) wurde nicht weiterverfolgt. 1974 startete Manfred die Amateurfunk-FAX-Aktivitäten in DL mit 14 Siemens-KF108-Maschinen und wurde FAX-Referent bei DARC und DAFG. Bei der UKW-Tagung Weinheim koordinierte er die Vorträge über Bild- und Schriftübertragung im Amateurfunk im Vorfeld und war einer der Referenten (u.a. DJ2HN, DJ6HP, DL2RZ, DJ4ZZ). 1975 wurde Manfred May zum OVV von G29 gewählt und übernahm das neue Referat für Bild- und Schriftübertragung im DARC-Distrikt Köln-Aachen. Im gleichen Jahr kamen Probleme für ATV durch die ersten 70cm-FM-Relais auf, die trotz warnender Gegenstimmen im 7,6 MHz-Duplex-Abstand errichtet wurden und mit ihren Ausgaben bei 439 MHz ATV-Empfangsstörungen verursachten. Außerdem vertrat er die DAFG auf der 2. Weltausstellung des Fernmeldewesens, der TELECOM 75 in Genf, mit FAX-Vorführungen, nachdem diese Betriebsart von der IARU offiziell eingeführt worden war. Volker Wraase, DL2RZ, überzeugte hier die Fachleute mit der Bildqualität seines neuen elektronischen SSTV-zu-Video-Wandlers. 1976 legte Manfred die Morseprüfung ab und erhielt das Rufzeichen DJ1KF. Im Rahmen der Entwicklungshilfe ging er als Fachlehrer an das Fernseh-Ausbildungsstudio der Akademie von Eskisehir (Türkei). Daneben bemühte er sich durch aktive Öffentlichkeitsarbeit um die Legalisierung des Amateurfunks in TA, gründete die Klubstation TA2ETV und arbeitete als TA2MM in einem Jahr mehr als 100 Länder in SSB, RTTY, SSTV und FAX (bis dahin war dort allgemein nur Empfangsbetrieb erlaubt!). Der TRAC ernannte ihn wegen seiner Verdienste zum Ehrenmitglied (auch in Köln hielt er weiter Kontakt zu türkischen Funkamateuren). 1978 wirkte Manfred bei der Schaffung des DARC-Referats für Bild- und Schriftübertragung unter Einbeziehung der AGAF mit und bemühte sich um eine verbesserte Zusammenarbeit der Sonderbetriebsarten-Gruppen DAFG (Deutsche Amateur-Fernschreib-Gesellschaft), zu deren Vorsitzendem er gewählt wurde, und der AGAF. Die DAFG vertrat vor allem die Interessen der Funkfernschreib-Freunde, aber auch AMTOR, Hellschreiben, FAX, SSTV und mit der aufkommenden Microcomputer-Technik auch Packet-Radio wurden in der bis 1986 zweimonatlich erscheinenden "RTTY" behandelt. In einem selbsterstellten 40-seitigen Musterheft "CQ-HAM RADIO" zeigte Manfred, wie die verschiedenen Betriebsarten zusammengeführt werden konnten und dass sie aufgrund des technischen Fortschritts letztlich alle auf einem Video-Display zur Anzeige kommen würden (heute Computer-Monitor). In diesem Jahr errichtete er auch seinen drehbaren 16 m-Antennenmast. 1980 wurde die WDR-Klubstation DK0WR unter Manfreds Leitung am neuen Standort "Vierscheibenhaus" großzügig ausgebaut, sie wurde später oft für Radio- und Fernsehsendungen mitgenutzt (Computerclub etc.) und so auch zur Öffentlichkeitsarbeit im Sinne des Amateurfunks eingesetzt. Ebenfalls 1980 baute er mit DF9KH u.a. zusammen sein altes Traumprojekt auf, den ATV-Multimedia-Umsetzer DB0KO, zunächst am Standort des Bergheimer FM-Relais DB0XO westlich von Köln. Neben der ATV-Umsetzung (70/23) wurden auf 2m eine Fernsteuerfrequenz, eine RTTY-Eingabe (Video-Umwandlung), eine SSTV-Eingabe (dto.) sowie eine Meteosat-Wetterbildumsetzung eingeplant. Nach einem Intermezzo in der WDR-Klubstation wechselte der Standort Ostern 1981 auf das Hochhaus der Deutschen Welle im Kölner Süden mit einem Einzugsbereich von bis zu 60 Km, und es kamen weitere ATV-Eingaben auf 23, 13 und 3cm hinzu. 1982 beschaffte Manfred für DK0WR neben ausgesonderten kommerziellen Fernsehstations-Geräten vom WDR auch einen neuen Heimcomputer "Apple II", mit dem erstmals u.a. RTTY, HELL, FAX und SSTV in einem programmierbaren Gerät möglich wurden. Der Video-Ausgang des Rechners diente noch 1994 als Testbildquelle bei der Ausrichtung der Antennen der neuartigen Hochgeschwindigkeits-Datenlink-Versuche auf 10 GHz mit der benachbarten Packet-Radio-Schulstation DB0GSO. Die Sende- und Empfangs-Einheiten dafür entwickelte Manfred aus alten Sat-TV-LNC mit selbstgebauten Hornantennen. Der erste Kölner Packet-Radio-Digipeater (mit Mailbox) DB0WDR war kurz vorher mit Manfreds Unterstützung bei DK0WR aufgebaut worden, weil er sich davon eine Erleichterung seiner Rundspruch-Redaktionsarbeit für den DARC-Distrikt Köln-Aachen versprach. Gleichzeitig nutzte er seine guten Kontakte zur "WDR-Computerclub"-Redaktion für den Aufbau von eigenständigen Amateurfunk-Internet-Seiten unter deren Adresse. Später expandierten diese auf einem anderen Server zur DARC-Distrikt-G-Homepage und wurden zum Vorläufer des heutigen DARC-Internet-Angebotes neben der ebenfalls vielbesuchten AGAF-Homepage www.agaf.de. 1991 organisierte Manfred die 23. ATV-Tagung der AGAF im Schulzentrum Köln-Weiler mit Live-Übertragungen der Vorträge via DB0KO, einige Fachbeiträge wurden per vorproduziertem VHS-Video eingespielt. Es kamen 93 Besucher, und eine 6-köpfige British-Amateur-Television-Club- Delegation aus England belegte einen eigenen Verkaufsstand. Die Herbstversammlung des DARC-Distrikts Köln-Aachen wurde unter Manfreds Regie mit mehreren Kameras erstmals live in ATV via DB0KO übertragen, später wurde das Routine... Ein erster wöchentlicher ATV-Rundspruch für die Region Köln-Düsseldorf kam von Alfred, DF9JD ("Echo Nordrhein", DF0EN) als 10 GHz-Einspielung (Technik DJ1KF) von Hochdahl bei Düsseldorf nach DB0KO in Köln (30 km). Ab März 93 leitete Manfred die Rundsprucharbeit im G-Distrikt und führte wöchentlich wechselnde Produktionsteams des ATV-Rundspruchs mit insgesamt ca. 30 Mitwirkenden aus verschiedenen DARC-Ortsverbänden ein. Ende 1993 wurde Manfred zum 2. Vorsitzenden der AGAF gewählt und übernahm die schwierige Aufgabe des Kontakts zu DARC und Behörden. 1994 stellte er bei einem zweitägigen Seminar der Lehrer-Arbeitsgruppe "Amateurfunk in der Schule" in Königswinter Amateurfunk-Fernsehen vom ATV-Studio zu Hause bis zur Antenne und die Messtechnik vor, nur ein Beispiel für seine vielen Vortragsaktivitäten und Publikationen. Besonders die OM in Mecklenburg-Vorpommern sind ihm dankbar für die Belebung ihrer Amateurfernseh-Versuche. 1995 initiierte er bei seinem alten ATV-Mitstreiter Uwe Kraus, DJ8DW (inzwischen Professor an der Bergischen Universität Wuppertal) das Digital-ATV-Zukunftsprojekt, das zum Einen die 70cm-ATV-Nutzung im verträglichen Rahmen sichern soll (2 MHz-Kanal 433-435 MHz) und zum Anderen den Anschluss an den Stand der Technik (Digital-Fernsehen) herstellt. 1997 schließlich wurde Manfred zum Distriktsvorsitzenden Köln-Aachen gewählt und betreute gleichzeitig die vorher lang vermisste ATV/SSTV- Seite in der "CQ DL", die Rubrik "Monitor". Für das DATV-Projekt gewann er immer mehr Unterstützung auch bei DV-Kollegen im DARC, bis ihn 1999 bei Vorbereitungsarbeiten für ein weiteres Zukunftsprojekt, die Anbindung des TV-Satelliten-Uplinks beim holländischen ATV-Relais PI6ALK an den Köln-Aachener Raum, das Schicksal aus der Arbeit riss... Klaus, DL4KCK TV-AMATEUR-Redaktion DJ1KF-Homepage 1968-1997: http://www.agaf.de/Manfred/index.html