Der Autor Manfred May, DJ1KF (sk), war
- 2. Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft Amateurfunkfernsehen und
seit 1967 in ATV qrv,
inzwischen auf folgenden Bändern: 70, 23, 13, 3 und 1,5-cm.
Wie dies mit einfachsten
Gerätschaften von 1,2 bis 10 GHz in der Betriebsart FM-ATV
möglich ist, haben
wir im Sonderheft Funk Spezial 40/1997 bereits
aufgezeigt.
Heute beschäftigen wir uns mit *AM-Restseitenband-ATV* auf dem 70-cm-Band.
Das AM-Fernsehbild mit
FM-Begleitton benötigt einen möglichst ungestörten Bereich,
der in Europa von 433.000
bis 440,000 MHz reicht.
Entgegen einer weit verbreiteten
anderslautenden Meinung, ist der Betrieb
entsprechend IARU-Bandplan
weiterhin erlaubt. Dieses Segment wurde jedoch durch
die Vielzahl der mit
den Jahren hinzugekommenen Dienste wie FM-Umsetzer, Packet-
Digipeater, Voice-Mailboxen,
Satellitenbetrieb, OV- und Individualfrequenzen sowie die
starke Belegung des ISM-Bereiches
durch private und kommerzielle Nutzer, die alle die
für ATV benötigten
Frequenzen mitbenutzen, immer weniger für ATV brauchbar.
Deshalb sollte man Einsteigern
in Ballungsgebieten abraten, auf diesem Band
sendeseitig in diese
Modulationsart zu investieren.
Von den Funkamateuren
der Klasse 1 und 2 wird das Band auch nur noch dort
aktiv mit ATV belegt,
wo es Umsetzer gibt. In weniger dicht besiedelten Regionen, in
denen man tagelang auf
70-cm vergeblich einen Gesprächspartner suchen kann, sieht
das natürlich ganz
anders aus. Dort sind immer noch ungestörte AM-ATV-QSOs
möglich.
Die letzten drei Relaisstellen
mit einer ATV-Ausgabe auf 70cm sind:
DB0CD – Gelsenkirchen/VEBA-Halde
DB0QJ – Ederkopf/Erntebrück
und
DB0TT – Schwerte.
Sobald die neue Technik
zur Übertragung von ATV-Signalen
in Digitaltechnik möglich
ist, werden auch diese
Umsetzer darauf umgerüstet. Das kann aber noch ein bis zwei
Jahre dauern. In dieser
Zeit kann man noch mit normaler AM-Übertragung
experimentieren, denn
der Empfang ist denkbar einfach.
AM-ATV-Empfang
auf 70cm via Umsetzer und Direktverkehr
Blockschaltbild einer typischen ATV-Sende-/Empfangsstation.
Durch die Einführung
des Kabelfernsehens ist der Frequenzbereich aller modernen
Empfangsgeräte erweitert
worden. Anfangs mit den Sonderkanälen bis 300 MHz und
seit einigen Jahren mit
dem sogenannten Hyperband bis zu 450 MHz. Falls Sie also im
Besitz eines hyperbandtauglichen
Fernsehempfängers, Videorecorders, Bild-im-Bild-
Empfängers (PiP)
oder einer PC-FS-Einsteckkarte sind, können Sie Ihre bereits
ausgerichtete 70-cm Horizontalantenne
auf das Empfangsgerät adaptieren und einen
Empfangsversuch starten.
Da die Kanalbezeichnung nicht einheitlich ist, scannen Sie
den Hyperbandbereich
einfach einmal durch.
Falls kein hyperbandtauglicher
Empfänger zur Verfügung steht, benötigen Sie einen
Konverter, der das 70cm-Band
auf eine niedrigere Frequenz umsetzt. Wenn Sie einen
solchen nicht selbst
noch besitzen, finden Sie ihn vielleicht auf dem nächsten Flohmarkt.
70cm Konverter:
Aufbaumuster eines 70-cm-ATV-Konverters mit Störsignalunterdrückung
Falls Ihr TV-Empfänger
die unteren Sonderkanäle (bis 300 MHz) empfangen kann,
eignet sich bereits ein
Phoniekonverter 70-cm/2-m. Damit können Sie auf Kanal S6 dann
das Signal sehen. Wundern
Sie sich aber bitte nicht, wenn das Bild schwarz wird, wenn
Sie auf 2-m senden. Der
Kanal S6 liegt bekanntlich auf dem 2-m-Band. Besser wäre in
einem solchen Fall ein
Original ATV-Konverter, der auf einen der Kanäle 2-4 oder 5-11
umsetzt und zusätzlich
in der Lage ist, einen Störträger auszutasten.
Verbesserungen:
Für den Empfang von
ATV-Signalen benötigt man in jedem Fall eine gewinnbringende
horizontal polarisierte
Richtantenne, die möglichst drehbar sein sollte. Versuche mit
alten Fernsehantennen
oder Vertikal-Rundstrahlern sind nur selten erfolgreich. Selbst
bei S9-Signalen im Schmalband-Phonieempfänger
kann das Bild im Fernsehempfänger
noch verrauscht sein.
Hier hilft nur ein guter Vorverstärker - möglichst mit einer
Rauschzahl unter 1dB.
Falls der Empfänger immer wieder dunkel getastet wird, ist das
kein Fehler in Ihrer
Empfangsanlage, sondern deutet auf das Vorhandensein anderer
Funkanwender innerhalb
oder in der Nähe des Empfangsbereiches hin.
In jedem Fall sollte
im Antennenkabel der ATV-Station, also sowohl für den Empfang,
als auch für den
späteren Sendebetrieb ein hochwertiges koaxiales Bandpaßfilter
eingeschleift sein.
Koaxial-Bandpaßfilter aus Platinenmaterial für Sender und Empfänger
AM-ATV-Sender
auf 70cm
Zur Zeit gibt es auf dem
Amateurfunkmarkt keine Bausätze mehr für AM-ATV-
Sender. Auf Flohmärkten
kann man aber häufig für einen Bruchteil der
Erstellungskosten funktionierende
AM-ATV-Sender erwerben.
Fernsehmodulator aus der Gemeinschaftsantennentechnik
Dieser lässt sich
auf den Bildträger 434,250 MHz einstellen und beinhaltet auch den
5,5 MHz FM-Tonuntertäger.
Der Ausgangspegel liegt allerdings bei nur 90-110dB/uV.
Crossband-ATV mit Funkamateuren der Klassen 1 und 2
Auch wenn der ATV-Sendebetrieb
für die Funkamateure der Klasse 3 auf 70cm
beschränkt ist,
können sie am Funkbetrieb der höheren Bänder eilnehmen.
So kann man
sogar mit kleinem Aufwand
schöne Duplexverbindungen herstellen.
Häufig reicht zum
Empfang eine modifizierte SAT-Empfangsanlage aus.
Wer das Heft FUNK 40/
1997 nicht mehr hat, kann die Beschreibung im Internet nachlesen:
Unter dieser Adresse gibt
es noch weitere gute Tips zu ATV und dem Selbstbau von
Antennen und Zubehör.
Literaturhinweis:
- ATV-Handbuch der AGAF
(vergriffen) und
- TV-AMATEUR
– die Vereinszeitschrift der
Arbeitsgemeinschaft
Amateurfunkfernsehen
Berghofer Straße
201, D 44269 Dortmund