
Stoffsammlung für CQDL
10/98 MONITOR von Manfred, DJ1KF
Begriffsverwirrungen
In Beitraegen und Leserbriefen werden immer wieder missverstaendliche
Bezeichnungen fuer einige Sonderbetriebsarten benutzt. Ich moechte
einmal
versuchen, etwas mehr Klarheit zu schaffen.
Ein traditioneller Begriff in DL ist "Schmalbandfernsehen" fuer
SSTV,
original "Slow Scan TeleVision" (langsam abtastendes Fernsehen).
Nun gibt
es aber (zumindest in G und PA0, W und ZL) einige Spezialisten,
die im
eigentlichen Sinne "Schmalband-ATV" mit 4 KHz Bandbreite auf
KW und
entsprechend unscharfen S/W-Bewegtbildern praktizieren. Sie
nennen es
"Narrow Band TeleVision" (exakt auf deutsch "Schmalband-Fernsehen")
und
arbeiten z.T. mit den Originalgeraeten des britischen Fernsehpioniers
J.L.
Baird nachgebauten Sende- und Empfangsapparaturen (Nipkow-Scheiben
etc.),
aber auch mit moderner Computer-Software. Ihnen geht es um b
e w e g t e
Live-Bilder (vertikale Abtastung, 32 Zeilen, 12,5 Bilder pro
Sek.),
waehrend die SSTV-Anhaenger heute immer mehr Wert auf Farbe
und hohe
Bildqualitaet legen (mind. 320 Pixel in 240 Zeilen, Farbe, 72
bis 188 Sek.
pro Bild), aber auf Bewegung im Bild verzichten. Sinnvollerweise
nennt man
dies besser "Standbild-Fernsehen" und koennte auch die AFU-Betriebsart
"FAX" darunter einschliessen (heutzutage auch in Farbe mit 640
Pixeln pro
Zeile moeglich mit entsprechend langen Uebertragungszeiten).
Die englische
Sammelbezeichnung "picture modes" waere m.E. im IARU-Bandplan-Rahmen
zur
Unterscheidung von den "digi modes" sinnvoll (s.u.).
Der traditionelle Begriff "Facsimile" klingt arg altertuemlich
und kann
wohl nur noch mit den immer seltener zu hoerenden S/W-Wetterkarten-
Aussendungen auf KW in Verbindung gebracht werden, die "Stinkfax"-Maschinen
aus der analogen Buero-Fax-Aera benutzt heute kaum noch ein
Funkamateur.
Sowohl SSTV als auch FAX wird von den meisten Amateuren heute
als
"Bildfunk" mit Computern betrieben, z.T. mit e i n e m Programm
fuer beide
eng verwandten Standbild-Betriebsarten (z.B. JVFax), macht sie
aber deshalb
noch n i c h t zu digitalen Modi! Bits und Bytes im Rechner
werden vor dem
Modulationseingang des Transceivers immer noch zu einem a n
a l o g e n
kontinuierlich auf- oder absteigenden Tonsignal geformt (entsprechend
der
Bildhelligkeit). Das einzig digitale im SSTV-Sendesignal sind
allenfalls
die "VIS-Code"-Starttoene (Vertical Interval Signaling), die
dem
empfangenden Geraet vor Bildbeginn den genauen SSTV-Modus (Martin1,
Scottie-DX etc.) ankuendigen. Hierzu wird der 1200Hz-Vertikalimpuls
durch
10 x 30ms-Bits um plus/minus 100Hz moduliert. Die Gesamtbandbreite
des
Sendesignals ist hoeher, als man aus den Modulations-Eckfrequenzen
1100 Hz
und 2300 Hz abschaetzen koennte. Fuer saubere Bilder wird in
SSB ein freier
"Kanal" von 3 KHz benoetigt, also sollte j e d e r OM mit Ham-Spirit
so
viel Abstand zu SSTV/FAX-Betriebsfrequenzen halten, sei es mit
CW- oder mit
Phonie-Betrieb! Auf der im westdeutschen Raum stark belegten
2m-SSTV-
Frequenz 144,500 MHz wird vorwiegend in FM gearbeitet, also
gilt hier der
Mindest-Abstand 12,5 KHz!
Im IARU-Bandplan fuer 70 und 23 cm taucht ein weiterer verwirrender
Begriff
auf: "SATV" (Schmalband-Amateurfernsehen). Kurz gesagt ist dies
eine
abgemagerte ATV-Version ohne Tonhilfstraeger 5,5 MHz, ohne Farbhilfstraeger
4,43 MHz und mit max. 2 MHz Kanal-Bandbreite, die vom AGAF-Vorsitzenden
Heinz Venhaus, DC6MR, vorgeschlagen und in einigen TRX-Exemplaren
verwirklicht wurde. Aufgrund der geringen Horizontal-Aufloesung
(unter 1
MHz) konnte sich dieses Format nur bei DX-Verbindungen durchsetzen
mit
grossen Buchstaben und Kontest-Kennzahlen, fuer ATV-Orts- und
Relaisrunden
sind z.B. lesbare Schaltbilder und Gegensprechen unverzichtbar.
Im Zuge der Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche wird
auch "ATV"
(Amateur-Fernsehen) "megabytisiert" werden, erste Versuche laufen
in DL auf
zwei Ebenen: fuer hohe Qualitaetsansprueche wird von Prof. Uwe
Kraus,
DJ8DW, ein 2 MHz breites GMSK-Signal mit bandbreitenreduziertem
MPEG1-Video
und -Ton entwickelt (auf Grossbild-Fernsehgeraeten ansehbar,
IARU-70cm-
Bandplan-kompatibel). Von der Packet-Radio-Interessengruppe
ADACOM e.V. um
Prof. Henning Rech, DF9IC, wird ein 200 KHz breites Digital-Video-Verfahren
bevorzugt (DARC-Bandplan-kompatibel), das mit aehnlichen Methoden
wie die
Internet-Video-Uebertragung arbeitet und wie diese nur im Mini-Fensterchen
eines Computer-Monitors ansehbar ist. Aufgrund eines ersten
Eindrucks von
der HamRadio 98-Vorfuehrung (max. 4 Bilder pro Sekunde) moechte
ich dafuer
lieber die Bezeichnung "Digital-SSTV" waehlen - ein attraktiver
Analog-ATV-
Nachfolger muss grossbild-faehig sein!
Die kleinen Zappel-Bilder des "Internet-Video-Chat" sind bereits
in vielen
Amateurfunk-Shacks zu sehen (DJ0GF, DJ1KF u.a.) - eine Einschraenkung
der
Amateurfernseh-Qualitaet auf dieses Niveau wuerde keinen einzigen
Newcomer ins Amateur-Lager locken, im Gegenteil...
Klaus Kramer, DL4KCK, Koeln
Literatur:
"SSTV ...von simpel bis High-Tech" von Klaus Raban, DG2XK, Theuberger
Verlag GmbH, Berlin
"TV-AMATEUR" der Arbeitsgemeinschaft Amateurfunk-Fernsehen e.V.,
Dortmund
Neue Mikrowellen-ATV-Rekorde
Nach einer Meldung von HB9AFO im Internet sind bei einer ATV-Expedition
im Sommer 1998 zwei neue Reichweiten-Rekorde aufgestellt worden:
- ein neuer Weltrekord bei 10 GHz-ATV zwischen TM2SHF (F1AAM,
F1JSR, F5BUU
und HB9DLH) auf dem "Col de Piana" auf Korsika (Loc. JN42HF)
und EA5/HB9AFO/p (HB9ADJ, HB9AFO und SWL Jacky) auf dem "Monte Pego" in
Spanien (Loc. IM98XU). Die Entfernung betrug 821 km (der alte Weltrekord
war 701 km), ueber mehr als zwei Stunden wurden P5-Signale ausgetauscht
bei Leistungen von 1 und 20 Watt mit 60cm- und 1m-Schuesseln.
- ein europaeischer ATV-Rekord im 24 Ghz-Band zwischen TM2SHF in Loc. JN42HF auf Korsika und F/HB9AFO/p in Loc. JN23WE auf dem "Mont Caume" in Frankreich. Die Entfernung von 248 km wurde in einer Richtung mit P3 und QSB ueberbrueckt, dabei sendete TM2SHF mit 200 mW und einer 75 cm-Schuessel, HB9AFO empfing mit einem DB6NT-Konverter, einer speziellen Einspeisung und einer 1 m-Schuessel.
(siehe Bild "SWL Jacky, HB9AFO und HB9AD, v.l.n.r.")
Uebers.: Klaus, DL4KCK
Infos DB0PTV Juli 98
Am 13.02.98 fand ein Treffen mit der Firma Miniruf (Quix) am
Standort von DB0PTVstatt. Quix stoerte die 70cm-AM Eingabe von DB0PTV.
Die Ingenieure von Quix montierten eine Bandsperre fuer die
Quix-Frequenz (-40dB) und die Stoerungen waren beseitigt.
Weiterhin gibt es nun einen guten Dialog zwischen DB0PTV und
Quix!.
Wir bekommen in Kuerze eine Standortberechnung fuer DB0PTV von
der Firma.
Dieses zeigt es gibt auch positive Erfahrungen zwischen Amateurfunkdienst
und kommerziellen Funkdiensten.
Weiterhin wurde folgende Aenderungen am Relais durchgefuehrt:
- Kamerablickrichtung wieder Richtung Stadtmitte
- Calleinblendung in Kamaerabild (DB0PTV-Kamera aktiv)
- Kamera schaltet nun automatisch alle 5Minuten ein fuer 5 Minuten
- Richtfunkstrecke PI6ZOD, Emmen wieder mit DTMF 7 schaltbar
(Ton DTMF 8)
- Teletextseite von DB0PTV bei PI6ZOD Seite 19! (Infos ueber
Fieldday)
Das Kamerabild und das Bild von PI6ZOD haben noch ein geringeres
Videoniveau, es kann zum durchlaufen des Fernsehgeraetes kommen.
Dieses wird noch in Kuerze beseitigt.
Mitgearbeitet haben DL1PEP, Peter und DH0SK, Kai
73 PTV Crew 07/98