Das Farbfernsehen erobert Deutschland ------------------------------------- In einem gut halbstündigen Videofilm erinnerte das WDR-Fernsehen am 29.9.2008 im Frühprogramm an den Beginn des Farb-TV in Deutschland. Neben dem PAL-Erfinder Walter Bruch waren WDR-Videotechniker maßgeblich daran beteiligt, dass ab 1967 die deutschen Mattscheiben allmählich bunt wurden. Schon seit 1953 hatten die Nordamerikaner Farb-TV im NTSC-Format, aber dessen Schwächen (unstabile Farbtöne) regten europäische Entwickler zu verbesserten Versionen an. Henri de France schuf das SECAM-Verfahren und Walter Bruch sein PAL (phase alternating line), das nach ausgiebigen Tests von den meisten europäischen Staaten übernommen wurde. 1963 begannen die Vorarbeiten zur deutschen Einführung im extra dafür eingerichteten "WDR-Farbfernsehversuchslabor" in Köln-Ehrenfeld unter der Leitung des damaligen WDR-Chefingenieurs Dr. Franz Josef in der Smitten. Mit einem von der amerikanischen Firma RCA beschafften Farbfernseh-Kamerazug in NTSC (60 Hz, Superorthikon) sammelten die WDR-Techniker erste Erfahrungen mit Farb-Video, und zusammen mit der "Fernseh-GmbH" in Darmstadt wurden auf deutsche Studiosysteme angepasste PAL-taugliche Anlagen für 50 Hz entwickelt. Die holländische Firma Philips lieferte erste Farbvideokameras mit den relativ kleinen "Plumbikon"-Aufnahmeröhren, und schon Anfang 1964 kamen die ersten bundesweiten Farbtestsendungen auf die noch spärlich verbreiteten Farbmonitore. Walter Schedel schildert im Video seine damaligen Probleme mit der Farbstabilität der röhrenbestückten Dia-Abtaster mit Rot-, Grün- und Blau-Farbteilern, die eine Stunde vor Sendebeginn warmlaufen mussten. Weil die Filmabtaster mit ihrer feinen Lichtpunkt-Abtastung keine normalen Kinofilme korrekt darstellen konnten, mussten spezielle TV-Fassungen mit geringerer Farbdichte besorgt und gründlich "abgenommen" werden. Die kritische Hautton-Wiedergabe der Farbkameras wurde u.a. mit der damaligen Ansagerin Soja Kurowski ausführlich getestet, und Anfang 1966 wagte man die erste lokale Liveübertragung des Kölner Rosenmontagszuges in Farbe parallel zur bundesweiten S/W-Fassung. Eine Farbaufzeichnung auf Magnetband gab es noch nicht, aber eine handelsübliche S/W-MAZ "TR22" von RCA (Wohnzimmerschrank-Abmessungen, 2-Zoll-Band) wurde mit viel Mühe auf PAL-Tauglichkeit umgebaut. Eine praktikable Farbkorrektur zur Vermeidung von Farbstichen musste man in der WDR-Videotechnik erst entwickeln, und mit den erweiterten Farbtestsendungen wuchs das Interesse am Farbfernsehen. Das WDR-Farblabor diente auch als Schaltzentrale für eine europaweite Eurovisions- Farbtestsendung mit Beiträgen aus England (NTSC), Frankreich (SECAM) und Deutschland (PAL). Das französische Kalkül, mit der Entscheidung des gesamten Ostblocks für das SECAM-System auch die Westdeutschen für sich zu gewinnen (um eine innerdeutsche Farbsystem-Spaltung zu vermeiden), ging aber nicht auf, und mit dem berühmten verzögerten Knopfdruck von Bundeskanzler Willy Brandt auf der IFA Berlin 1967 wurde das PAL-Farbfernsehen offiziell eingeführt. Damit war die BRD nach den USA und Japan das dritte Land mit regulärem Farb-TV, auch wenn der Anteil der Farbempfangsgeräte hier erst 0,2 Prozent betrug - zehn Jahre später waren es schon ca. 50 Prozent. Noch bis 1969 kamen alle Farbsendungen des WDR aus dem zum Sendestudio erweiterten Farblabor, bis die neuen zentralen TV-Studios "An der Rechtschule" betriebsbereit waren. Der damalige Diplomand Uwe Kraus (DJ8DW) lernte in Ehrenfeld einen vorbildlichen Teamgeist kennen, den er später auch als Entwickler bei Philips, Thomson und dann als Professor an der Bergischen Universität Wuppertal pflegte (Teile des alten WDR-Farblabors sind jetzt dort als Historisches Lern-Studio untergebracht). In den neuen WDR-Studios A und B wurden in der Folge schrittmachende künstlerische Möglichkeiten des RGB-Farbsystems (Farbstanze) entwickelt und perfektioniert, und die jede Farbsendung einleitende animierte "Farbrosette" konnte bald wegfallen. Auch später brachten WDR-Techniker gute Ideen zur Sendung, z.B. das legendäre "Fußball-Ballett" in der Sportschau auf der Basis einer noch analogen Magnetplatten- Zeitlupe und in neuerer Zeit die "Wischtechnnik" auf dem großformatigen Wettervorhersage-Schirm im ARD-Morgenmagazin. In Sachen Digital-HDTV-Einführung hat allerdings die britische BBC die Führung in Europa übernommen... Klaus, DL4KCK Weblink: www1.wdr.de/unternehmen/technik/rundfunk_gestern/Farbfernsehversuchslabor100.html