HAM RADIO 2005 in erhitzter Athmosphäre --------------------------------------- Bei Außentemperaturen um 30 Grad war es in der klimatisierten Messehalle A1 in Friedrichshafen meistens angenehm kühl, und nur die auch dieses Jahr wieder eingerichtete DATV-Liveübertragung vom Berg Pfänder in Österreich erinnerte uns am AGAF-Stand an die erschwerten Bedingungen in der Außenstation. Mehrere bei der aktuellen DATV-Entwicklung beteiligte Studenten der Uni Wuppertal waren diesmal dabei und agierten als Fachberater oder als Kameraleute, u.a. Andre, DO1AAW. Bei einem Hallen-Rundgang der DARC-Führung mit Gästen vom BMWA (Herr Martin und Herr Reichle) erläuterte Uwe, DJ8DW, den Besuchern den Stand der digitalen ATV-Technik. Viele in- und ausländische Amateure stellten auch der übrigen Standbesatzung Heinz, DC6MR, Karl-Heinz Pruski (GF) und Klaus, DL4KCK, Fragen oder nahmen den druckfrischen TV-AMATEUR #137 entgegen. Ein kleiner Videomonitor zeigte das Livebild der Standbesucher, verzögert durch einen "gläsernen" DATV-Exciter und angeschlossenen DVB-S-Receiver - das Winken mit Echo machte vielen großen Spaß. Mittels Laptop und selbstgeschriebener grafischer Steuerungs-Software konnte auch die im Exciter integrierte Festplatte auf Aufnahme geschaltet oder zur Wiedergabe ermuntert werden. Am Samstag gestalteten Uwe, DJ8DW, und Willi, DC5QC, den diesjährigen Höhepunkt der AGAF-Aktivitäten: eine portable DATV-Livesendung vom Ufer des Bodensees bei Kressbronn in GMSK auf 434 MHz (7 W, 11-El.-Yagi) über 20 km zum Berg Pfänder, die von dort in QPSK auf 1255 MHz (8 W, 19-El.-Yagi) über 28 km zur Messehalle weitergeleitet wurde. Nach einer kurzen Mittagspause kam noch eine weitere GMSK-Verbindung vom Gehrenberg aus (38 km zum Pfänder) zustande. Vor dem Monitor am Messestand gratulierten u.a. DC0BV, DJ3DY und DK7EI per Funk zum gelungenen DATV-Doppelschlag. Heinrich, DC0BV, konnte sich auch über ermutigende Neuigkeiten zum Amateurfunk aus dem Weltraum freuen, an dem er zu Zeiten der russischen Raumstation MIR sehr aktiv, aber letztlich ohne Erfolg, vorbereitend mitgewirkt hatte. Laut Informationen von ON4WF bei seinem Vortrag über ARISS-Aktivitäten während der 30. HAM RADIO in Friedrichshafen will im Juli 2005 das Team der ISS-Astronauten bei einem "Raum-Spaziergang" einen ausgedienten russischen Raumanzug mit nachträglich eingebauten Elektronik- und Sendegeräten im All aussetzen. In den folgenden sechs bis sieben Wochen bis zum Verglühen in der Athmosphäre sollen die Geräte auf 144,990 MHz mit 500 mW HF-Leistung mehrere Grußbotschaften in verschiedenen Sprachen senden. Zusätzlich soll ein ebenfalls in den Speicherchips abgelegtes SSTV-Bild abgestrahlt werden. Eine weitaus nachhaltigere Öffentlichkeits-Wirkung soll der geplante Amateurfunkbetrieb von Bord des europäischen ISS-Labors "Columbus" erreichen, das z.Zt. am Boden eingerichtet wird. Es bekommt Antennen für 70 cm, 23 cm und 13 cm, mit denen erstmals ARISS-Betrieb im SHF-Bereich abgewickelt werden kann. Die von den anderen existierenden ISS-Funkstationen ausreichend weit entfernte Position des neuen Columbus-Moduls ermöglicht dann gleichzeitigen Betrieb auf den neuen Bändern. So werden z.B. erstmals ATV-Verbindungen für Schulkontakte und durchgehender Transponderbetrieb möglich. Uwe, DJ8DW, hat ON4WF persönlich die Bereitschaft der AGAF zugesichert, dafür einen Satz DATV-Platinen zu spenden. Die ESA hat freundlicherweise die hohen Kosten für die Antennenmontage (100 000 Euro) übernommen, aber für Entwicklung und Bau der Antennen werden dringend weitere Spenden benötigt, näheres auf der ARISS-Europa-Webseite http://www.ariss-eu.org/columbus.htm Anlässlich der öffentlichen Veranstaltung des DARC "Mitglieder fragen..." während der HAM RADIO 2005 in Friedrichshafen wurde auch nach dem Stand der Satzungs- Erneuerung zur Stärkung der clubinternen Demokratie gefragt. Dazu habe ich einen Text aus der "QRV" (unabhängiges Amateur-Radio-Magazin) vom Oktober 1972, auf Seite 568 schildert dort DL1JB die Gründe für seinen Rücktritt vom Amt des DARC- Geschäftsführers. Hier ein Auszug daraus: "Als Quintessenz meiner in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen muss ich feststellen, dass die Mitglieder des DARC-Vorstandes und des Amateurrates bei den Beschlüssen, die sie zu fassen hatten, manches Mal überfordert waren. Sie mussten sich oft zu schnell und, ohne die Konsequenzen voll überblicken zu können, entscheiden. Meistens fehlte es dabei auch an der Zeit, die Ansichten der Ortsverbände zu erkunden und zu berücksichtigen. Insofern wäre der DARC gut beraten, wenn er seine Ortsverbände künftig mehr an den zu treffenden Entscheidungen beteiligen würde, als dies bisher der Fall gewesen ist. Die Neufassung der Satzung, an der zur Zeit gearbeitet wird, bietet eine gute Gelegenheit, die Mitbestimmung der Ortsverbände und damit aller Clubmitglieder fester zu verankern. Es sind in der Vergangenheit sicherlich manche Fehler begangen worden; auch ich habe welche gemacht. Wollen wir doch alle daraus lernen und den DARC wieder zu dem machen, was er sein soll: die deutsche Amateurfunkorganisation, in der sich alle Funkamateure unseres Landes so gut aufgehoben fühlen, dass ihnen der Gedanke an einen anderen Verband gar nicht erst kommt. Gesunde Konkurrenz braucht deswegen nicht ausgeschlossen zu werden..." (Ende des Zitats) Frage: ist die Zeit seit 1972 in Baunatal stehengeblieben? Klaus, DL4KCK