SLOW SCAN TELEVISION - SSTV

Entstehung
SSTV ist eine Funkamateur-Entwicklung (C. McDonald 1958),
um unbewegte Bilder in einem Telefoniekanal zu übertragen.
Dabei stützt sich SSTV auf Bild- und Zeilensynchronimpulse,
so dass von einem Fernsehverfahren gesprochen werden kann.
Durch die geringe Übertragungsbandbreite (max. 3 KHz) ist
nur eine sehr langsame Abtastung möglich, so dass lediglich
Standbilder ohne weitere Begleitinformationen (z.B. Ton)
übertragen werden können. In der Anfangszeit von SSTV
wurden nur schwarz-weisse Bilder mit einer Auflösung von
120 Zeilen zu je 120 Pixeln übertragen. Dafür wurden
sieben bis acht Sekunden benötigt. Durch Verdoppeln der
Zeilenzahl, Verdoppeln der Bildpunkte pro Zeile bzw. durch
beide Maßnahmen gleichzeitig kamen später Übertragungs-
zeiten von 16 und 32 Sekunden für ein Bild zustande.


Farbe ins Bild Zur Übertragung farbiger SSTV-Bilder wurde zunächst mit einem bildsequentiellen Verfahren experimentiert, bei dem das Farbbild in einen Rot-, Grün- und Blau-Auszug zerlegt wurde. Diese drei Auszüge wurden anschließend als drei Schwarzweiß-Bilder nacheinander gesendet und auf der Empfangsseite wieder zu einem Farbbild zusammengesetzt. Dabei wird das empfangene Farbbild erst nach der Übertragung des dritten Farbauszugs erkennbar. Der deutsche SSTV-Pionier Volker Wraase, DL2RZ, entwickelte in der Folgezeit ein zeilensequentielles Verfahren, das in abgewandelter Form den heute allgemein üblichen Übertragungs- Standard repräsentiert. Auch hier wird das Bild in drei Farbauszüge zerlegt, die zeilenweise in der Folge Rot, Grün, Blau gesendet werden. Die eindeutige Zuordnung der drei  Auszüge zum entsprechenden Bildspeicher auf der Empfangsseite wird mit einem modifizierten Synchronisationsimpuls vor der Rotzeile realisiert. Wesentliche Weiterentwicklungen kamen von den britischen Funkamateuren Eddie ("Scottie") Murphy, GM3SBC, und Martin Emmerson, G3OQD, die mit neuen Verfahren die Übertragung der SSTV-Bilder störunanfälliger machen wollten. Die Anzahl der zu sendenden und auszuwertenden Synchronisationssignale wurde minimiert. Auf diese Weise können SSTV-Bilder annähernd freilaufend übertragen werden. Diese neuen Verfahren hielten als sogenannte "New Modes" bzw. "Free-Run-Modes"  relativ schnell Einzug in die SSTV-Praxis der Funkamateure. Der heute maßgebliche Übertragungsstandard stützt sich auf die Entwicklung von Martin Emmerson, G3OQD. Von seinen vier Modi wurde der Modus "Martin 1" in aller Welt bevorzugt  verwendet. Die Farbfolge bei den Martin-Modi ist Grün-Blau-Rot (GBR) im Gegensatz zur sonst üblichen Farbfolge Rot-Grün-Blau (RGB). Die Übertragung eines "Martin-1-Bildes" dauert 114  Sekunden und stellt einen guten Kompromiss zwischen Über- tragungszeit und Auflösung dar, ein digital codierter "Header" zu Beginn meldet dem Empfangsauswerter den verwendeten SSTV-Modus.
Wie wird man QRV? Für die Realisierung des SSTV-Betriebs können spezielle SSTV-Geräte mit allen Funktionen und Schnittstellen für Bildaufnahme- und wiedergabe oder Heimcomputer verwendet werden. Bei der Verwendung von Computern und der reichlich vorhanden Software mit den angebotenen bzw. beschriebenen Konvertern ist der zusätzliche technische und finanzielle Aufwand relativ gering.
Auf welchen Frequenzen findet SSTV-Betrieb statt? Die Anruffrequenzen für SSTV-Betrieb auf der Kurzwelle sind 3730, 7040, 14230, 21340 und 28680 KHz. Aktuelle Empfehlungen von SSTV-DX-Spezialisten zur Betriebstechnik: 1. Benutzt Standard-SSTV-Frequenzen im 3 KHz-Abstand um die Anruf-QRG, z.B. 14227, 14230, 14233, und keine dazwischen, um QRM bei anderen Bildverbindungen zu vermeiden. 2. Sucht nach einer Kontaktaufnahme auf der jeweiligen Anruffrequenz eine freie QRG im Phonie-Bereich des Bandes, um das SSTV-QSO fortzusetzen. Dies ist eine Empfehlung der IARU Region 1, um den Andrang auf die Anruf-QRG und Mehrfachbelegungen der Frequenz zu vermindern. 3. SSTV ist mehr als reiner Bildaustausch, benutzt dazwischen auch das Mikrofon für Anfragen oder Kommentare. Unterbrecht eine andere Verbindung niemals durch eine eigene Bildaussendung, sondern macht in der Pause einen Anruf in Phonie! 4. Verwendet möglichst eigene Bilder von der Familie, der Station oder der Umgebung und unterlasst die Aussendung anstößiger Bilder, es gibt auch Schulstationen mit SSTV-Empfängern!

Weitere Informationen Wer in die reizvolle Betriebsart SSTV einsteigen möchte, kann sich mit Hilfe des Buches "Slow-Scan-Television von simpel bis High-Tech" ISBN 3-910159-31-1 umfassend informieren. PS: Auf den VHF/UHF-Bändern gibt es ebenfalls Anruffrequenzen für SSTV, und zwar 144,500 MHz und 432,500 MHz.

Aktualisierung Weblink DARC-HF-Referat Dort sind in der linken Spalte die Betriebsarten untereinander aufgereiht, u.a. "Digitale Betriebsarten". Weil "Slow-Scan-TV" eine alte a n a l o g e Betriebsart ist, die jetzt auch mit Hilfe von Computer-Soundkarten und Spezialprogrammen betrieben werden kann, muss man zwischen "Mode" (HF-Modulation) und PC-Programm unterscheiden. Da ich persönlich bei der Entwicklung des ersten deutschen SSTV-Programms (für Amiga- Homecomputer) mitgewirkt habe, kann man mir wirklich keine Computerfeindlichkeit vorwerfen ;-) Trotzdem möchte ich darauf bestehen, gerade in der Newcomer-Ausbildung sauber zu arbeiten und zwischen analoger Modulation ("Mode" = Betriebsart) im Transceiver und digitaler Datenverarbeitung im PC zu unterscheiden. Die Schnittstelle zwischen beidem stellt die Soundkarte dar mit dem "Digital/Analog"-Wandler, aber letztlich bestimmt das gerade aktive PC-Programm, ob das ausgegebene Modulationssignal "digitales" oder analoges Slow-Scan-TV enthält... Eine eingängige Möglichkeit zur Unterscheidung zwischen analoger und digitaler Bildübertragung gibt das akustische Abhören des Sendesignals: wenn ein alter SSTV-Praktiker auf Anhieb sagen kann, ob das Bild einen vorwiegend hellen oder einen dunklen Inhalt darstellt, ist ein analoges SSTV-Programm am Werk. Aus dem undefinierten Rauschsignal einer digitalen Bildübertragung kann niemand auf den Bildinhalt schliessen. Auf die Gefahr der unbedarften Vermischung von "Digimode-" und SSTV-Betrieb habe ich schon vor vielen Jahren in der CQ-DL hingewiesen, aber es gab dort auch andere Infos von weniger gut Informierten, die zur heutigen Verwirrung beigetragen haben. Die neuen digitalen Datenübertragungs-Betriebsarten wie MFSK, HamDream und MT63, die auch Bilddaten mit Fehlerschutz transportieren können, sind nicht kompatibel zur analogen SSTV-Modulation wie z.B. bei "Standbildübertragung mit MMSSTV" (das ist ein PC-Programm für diverse analoge SSTV-Modi, keine Betriebsart). Sie sollten deshalb m.E. auf eigenen Betriebsfrequenzen bleiben (z.B. 14233 KHz), genau so wie RTTY und PSK31. Es gibt auch Multimode-Programme wie "SSTVPal", in denen unter einer Bedienoberfläche zwischen analogen und digitalen Modulationsarten umgeschaltet werden kann (Auszug aus der Anleitung: "Send Text Message - Works in "Digital Mode Only"). Im Amateurfunklehrgang von DJ4UF wird auch korrekt auf analoge und digitale Modi eingegangen. Klaus, DL4KCK AGAF e.V.